surfaces. style. quality. die neue oberfläche

Interview Norbert Rauh

Licht ist nicht gleich Licht. Schon gar nicht im Wohlfühlbad. Experte Norbert Rauh erklärt, auf was es ankommt und mit welchen Kunstgriffen die richtige Atmosphäre im Badezimmer entsteht.

„Es gibt nicht die eine Patentlösung“

Ist Ihnen ein Bad mit oder ohne Fenster lieber?

Als Experte für Kunst- und Tageslicht weiß ich, dass Tageslicht durch nichts gleichwertig zu ersetzen ist. Kunstlicht ist immer eine Krücke. Der Bezug zum Außenraum gibt uns stets ein Gefühl von Freiheit und verhindert das Gefühl von Enge. Grundsätzlich berücksichtigt ein Lichtdesigner – also jemand, der Räume mit Licht gestaltet – bei der Planung immer auch den Einfluss des Tageslichts.

Welches Licht würden Sie für ein Wohlfühlbad vorschlagen?

Das Bad ist der erste Raum, den Sie morgens betreten und der letzte Raum, in dem Sie sich vor dem Schlafengehen am Abend aufhalten. Diesen Raum sollten Sie immer mit einer positiven Stimmung verlassen. Dazu trägt natürlich das perfekte Licht bei. Dabei gibt es am Spiegel andere Anforderungen als etwa in der Badewanne, in der Sie liegen und sich entspannen wollen. Licht soll beruhigen, schließlich sind Bäder auch ein Bereich der Entspannung. Somit benötigen Sie mehrere Lichtquellen, die je nach Situation zugeschaltet oder gedimmt werden können.

Was wären denn genau die Anforderungen für das Licht am Spiegel?

Sehr wichtig ist generell die richtige Lichtfarbe, also weißes oder warmes Licht, und die Farbwiedergabe. Sie sollen sich am Spiegel ja auch gut sehen können. Am Spiegel sollte deshalb eine Leuchte, die direktes und indirektes Licht abgibt, eingesetzt werden. Das indirekte Licht unterstützt gleichzeitig das Raumlicht und erzeugt im Gesicht ein weiches Licht, welches die Schatten auflöst.

Welche grundsätzlichen Fehler in Sachen Licht kann man im Badezimmer machen?

Oberhalb vom Spiegel sollten bitte nie Spots das Gesicht anstrahlen. Ebenso sind Strahler über dem Waschbecken ein No-Go. Sie würden im Gesicht starke Schattenzonen entstehen lassen. Wenn Sie Strahler oder Einbaustrahler einsetzen, sollten diese auch nicht einen dunklen Boden anstrahlen – ein graphitgrauer Bodenbelag schluckt circa 90 Prozent vom Licht. Auch bei glänzenden Böden sind Strahler ungeeignet, weil diese sich im Boden spiegeln und eine sehr unruhige Lichtsituation schaffen.

Das ist ja eine richtige Wissenschaft…

… es gibt zumindest nicht die eine Patentlösung bei der Lichtgestaltung von Räumen. Jeder Raum ist anders. Das Licht muss daher auf die Einrichtung, Bodenbelag, Wand-Deckenfarbe, Raumhöhe und die Nutzung abgestimmt werden. Gutes Licht entsteht also immer in direkter Zusammenarbeit mit dem Nutzer.

Welche außergewöhnlichsten Bäder haben Sie mit den richtigen Lichtquellen versorgt?

Das letzte große Bad, das wir beleuchtet haben, hatte einen angeschlossenen SPA-Bereich. Hier steht ebenso wie bei einem kleinen Badezimmer der Wohlfühl-und Entspannungsfaktor im Vordergrund. In unserem besagten Bad gibt es Liegen zum Ausruhen. Einbaustrahler müssen hier ganz gezielt eingesetzt werden. Der Bereich mit den Liegen ist auszugrenzen, damit beim Relaxen keine Blendung entsteht. Ebenso ist dies in einem Fitnessbereich. Auch hier gibt es Übungen, bei denen man an die Decke schaut. Gleichzeitig sollte viel indirektes Licht zum Einsatz kommen, meist über sogenannte Lichtvouten, also Lichtleisten. Das erzeugt eine wunderbar ruhige Lichtatmosphäre. Unablässig: Das Dimmen! Das erzeugt in allen Bereichen verschiedene Lichtstimmungen.

Sehen Sie das Kerzenlicht an der Badewanne als Konkurrenz oder wunderbare Ergänzung zu den Lichtquellen, die Sie verkaufen?

Die Stimmung, die von Kerzenlicht erzeugt wird, ist durch Kunstlicht nie vollwertig zu ersetzen.

Lichtspezialist Norbert Rauh ist Geschäftsführer von LAMPADA in Nürnberg. Anregungen für die Lichtgestaltung finden Sie im Geschäft Erlenstegenstraße 90, 90491 Nürnberg, Telefon: 0911-598770 oder im online-shop unter www.lampada.de

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