surfaces. style. quality. die neue oberfläche

Interview Marie Striewe

Mit viel Hingabe plant und realisiert sie Badezimmer. Marie Striewe nimmt uns mit in ihre Welt der Ideen und Inspiration – und erläutert, auf was sie im Berufsalltag Wert legt.

„Ich lasse mich am liebsten von Problemen inspirieren“

Das Bad als beruflicher Mittelpunkt – wie kam es dazu?

Eigentlich bin ich gelernte Werbetexterin, habe BWL und Marketing studiert. Über das Marketing für Handwerksbetriebe bin ich da irgendwie reingerutscht. Als Quereinsteiger war es anfangs schwierig, sich zu behaupten, wenn man einfach nicht mitreden kann. So habe ich angefangen, mich in der Industrie umzuhören und jede gebotene Weiterbildungsmöglichkeit mitgenommen. Ich habe Licht- und Materialschulungen besucht. Einer der Redner, inzwischen ein guter Bekannter, gab mir dann den Tipp, die durch den VDS initiierte Badmanager-Ausbildung anzugehen. Danach konnte ich mitreden. So nahm alles seinen Lauf.

Also gab es keine besondere Affinität zum Badezimmer?

Außer, dass ich wahnsinnig gerne in der Badewanne liege und mich fürchterlich darüber ärgere, dass ich keine habe – Nein! Es ist auch eigentlich nicht das Bad an sich, was mich fasziniert. Es ist eher die Möglichkeit, einen Raum, den jeder als Nutzraum versteht, so zu gestalten, dass er zu einem ganz individuellen Refugium wird.

Stellen Sie sich als Badplanerin vor?

Ich stell mich als Marie vor 🙂 Eigentlich bin ich sowas wie die Architektin für das Bad, aber so darf ich mich natürlich nicht nennen. Ich sehe mich als freie Badplanerin. Frei im Sinne von unabhängig. Ich verkaufe und empfehle das, von dem ich überzeugt bin, besonders in Hinblick auf den Mehrwert für meinen Kunden.

Sie sind TÜV-zertifizierte Badplanerin für altersgerechte Bäder. Was muss denn ein solches Bad besonders können?

Es gibt DIN-Normen, daraus ist dieses TÜV-Siegel entstanden. Grundsätzlich spreche ich aber von altersgerechten, lieber noch von zukunftsfähigen Bädern. Wir befinden uns sehr häufig in kleinen Bädern in der Sanierung. Da wird es mit DIN-Normen schwer, das geben die Grundrisse gar nicht her. Für diese Art Badezimmer sollten die Wände so stabil sein, dass sie fallende Personen auffangen können und zu jeder Zeit, an jedem Ort Haltegriffe montierbar wären. Sitz- und Ablageflächen sind wichtig. Und da spreche ich nicht vom klassischen Krankenhausklappsitz… Festhalten, abstützen, ablegen, absetzen – das ist wichtig. Und Stolperfallen so weit wie möglich minimieren oder Eintritte erleichtern.

Das ist ja auch sinnvoll für junge Menschen.

Absolut. Deshalb sollten wir diese Bäder auch zukunftsorientiert nennen. Ein praktisch durchdachtes Bad kann genauso schick sein. Eine Sitzbank ist nicht zwangsläufig nur etwas für alte Leute. Schwellenreduktion ist für jeden von uns sinnvoll. Alles, was die Bewegung im Bad sicherer macht, ist vorausschauend – und somit auch altersgerecht.

Was ist Ihnen wichtig bei den Materialien?

Mir ist Zeitlosigkeit wichtig. Wir befinden uns im Badezimmer bei einem Renovierungszyklus von rund 20 Jahren. Somit muss ich heute darauf achten, dass es in 20 Jahren noch Sinn ergibt, was ich mir ausgedacht habe. Da spielen Zukunftsorientierung und Farbgebung eine Rolle. Meine Bäder sind in der Regel modifizierbar. Ich klatsche nicht alle Wände bis unter die Decke mit Materialien voll, die schwer zu verändern sind. Die Basis des Raumes sollte so gestaltet sein, dass er jede Lebenslage mitgehen kann und verschiedenen Launen Raum gibt.

Nehmen Umweltschutz und Nachhaltigkeit viel Raum ein?

Bei mir persönlich hat all das Raum. Bei vielen Kunden sicher auch. Ich muss allerdings aus der Erfahrung sagen, dass das nichts ist, was meine Kunden vordergründig fordern.

Was wird mehr gefordert: Fugenlos oder doch die Kachel-Wand?

Mir ist neben der Zeitlosigkeit wichtig, dass das Bad praktisch ist. Dazu gehört auch die Reinigungsfreundlichkeit. Die Fugenfrage zählt da mit rein. Außerdem finden es viele Menschen sehr schick. Es beruhigt optisch, gerade kleine Räume wirken damit größer. Unter dem Strich ist so eine Fuge eben ein Ort, an dem sich Dreck, Wasser und Keime ansammeln können. Deshalb verzichte ich gerne auf Fugen. Es gibt aber auch wahnsinnig tolle Lösungen mit kleinen Fliesen und einem wilden Fugenbild – nur dann bitte nicht in der Dusche.

Wie sehr hat sich die Industrie auf Ihre Bedürfnisse der Badplanerin eingestellt?

Es sind manchmal die simplen Dinge – nämlich sind die Teile, die ich brauche, überhaupt auf Lager zu haben. Das ist gerade in der heutigen Zeit ein großer Pluspunkt: Die Dinge schnell bzw. flexibel verfügbar zu haben. Zudem ist mir als Badplanerin die unkomplizierte Abwicklung wichtig. Kurz über den Außendienst ein paar Produkte bestellen, ohne umständlich Artikelnummer herauszusuchen oder eine offizielle Mail schreiben zu müssen. Das ist ein Stück weit auch Vertrauen. Ich bin ja auf der Baustelle auch verantwortlich für einen reibungslosen Ablauf. Wenn es brennt, ist schnelle, unkomplizierte Hilfe klasse.

Wo holen Sie sich Inspiration?

Tatsächlich meistens nicht in Bädern. Ich transferiere viele Ideen aus Wohnräumen ins Badezimmer. Natürlich schau ich auch mal bei den Kollegen, was die so machen. Und ich inspiziere Produkt-Neuerscheinungen. In der Regel verbaue ich das, was ich mir vorstellen kann. Viele Ideen zu Materialien und Farben hole ich mir aus der Natur. Ich glaube, dass wir uns an der Natur nie satt sehen werden, entsprechend dürfte das auch im Bad so sein. Und ich lasse mich am liebsten von Problemen inspirieren: Wie kann ich Missstände im Bad für meinen Kunden beheben?

Wie sieht Ihr perfektes Bad aus?

Ich bin heilfroh, dass ich das niemals planen muss. Ich hätte gerne ein Bad mit Wänden, die mindestens vier Seiten haben. Ich möchte sie jeden Tag einmal weiterdrehen. Heute habe ich das fugenlose Betonbad, morgen das Urwald-Bad, übermorgen die schrillen 70er und so weiter… Ich sehe so viel, auch weil ich ständig den Markt überblicken muss. Ich könnte mich nicht auf irgendetwas festlegen. Ich wüsste: Morgen hätte ich es gerne anders.

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