surfaces. style. quality. die neue oberfläche

Interview Tilla Goldberg

Tilla Goldberg ist Director Product Design des renommierten Innenarchitekturbüros Ippolito Fleitz Group mit Sitz in Stuttgart, Berlin und Shanghai. Sie hat maßgeblich am Design der NEWNATURE Kollektion von rebado mitgewirkt und nimmt uns hier mit in ihre Bad-Welt.

„Botschaften aus dem Bad“

Welches Lebensgefühl muss Ihr persönliches Bad ausstrahlen?

Alles, was ich beruflich mache, dreht sich um das Thema räumliche Identität. Für mich ist meine Wohnung – und damit natürlich auch das Badezimmer – ein kompletter räumlicher Ausdruck meiner Persönlichkeit. Es finden sich überall Dinge, die ich gesammelt habe, oder die mir wichtig sind. Sie tragen einen Teil meiner Lebensgeschichte in sich. Das ist alles zusammen immer eine Collage meiner Persönlichkeit.

Farbe, Form und Material im Bad – welche Mischung passt zu Ihnen?

Mein Badezimmer besteht aus ganz viel Weiß und Spiegeln. Der Raum ist relativ klein, daher habe ich ihn über große Spiegelflächen optisch vervielfacht. Das ist spannenderweise in die aktuelle rebado-Kollektion mit eingeflossen. Also als Basis glatte, gut zu reinigende Oberflächen. Darin spiegeln sich in meinem Bad ganz viele, individuelle und vor allem farbige Gegenstände.

„Meine besten Ideen sprudeln unter der Dusche“

Wieviel Zeit verbringen Sie pro Tag im Bad?

Unter der Woche sind das wohl um die 25 Minuten. Aber für einen Girls-Beauty-Wellness-Day am Wochenende können das natürlich auch mal zwei Stunden sein.

Sind Sie eher der Badewannen- oder Duschtyp?

Unbedingt der Duschtyp. Ein prickelnder großer Wasserstrahl vom Kopf herunter bis zu den Füßen trägt eine unglaublich gute Energie. Das soll ja den Denkfluss anregen und das ist bei mir definitiv der Fall: Die besten Ideen für meinen Beruf sprudeln unter der Dusche.

Welchen Anspruch haben Sie als Produkt-Designerin an ein Wohlfühl-Bad?

Zuallererst braucht ein Badezimmer eine Atmosphäre, die die Intimität, die man in diesem Raum benötigt, zulässt. Es braucht gutes Licht und Materialien, die angenehm sind. Es gibt wenige Räume in der Wohnung oder im Hotelzimmer, in denen man sich nackt, ohne Schutz längere Zeit im Raum aufhält. Hinzu kommt die technische Komponente, die dafür sorgen sollte, dass das Raumklima stimmt. Wir sind alle europäisch-deutsch erzogen, entsprechend lieben wir es aufgeräumt. Also gerne große Oberflächen mit möglichst wenig Fuge, oder wir legen Wert darauf, dass Möbel sauber verarbeitet sind. Die Dinge, die ich vorfinde, brauchen schon eine gewisse Perfektion, damit man sich bis ins Detail wohlfühlt.

Fugenlose Flächen oder gefliestes Bad – ist das Typ- oder Trend-Sache?

Für mich ist das gar nicht diese Persönlichkeitsfrage, sondern es kommt auf den architektonischen Kontext an. Was ist das für ein Haus, in dem sich das Badezimmer befindet? Bei einem modernen Ausbau passt eine schicke großflächige Fugenlosigkeit. Wenn es eine kleinteilige Jugendstil-Altbau-Villa ist, sind Fliesen womöglich die bessere Wahl. Oder manchmal genau das Gegenteil, wenn man den Stil bewusst brechen möchte.

Sie reisen viel. Verraten Sie uns Ihr außergewöhnlichstes Bad-Erlebnis!

Mein eindrücklichstes Baderlebnis fand in Japan statt. In den öffentlichen Onsen-Bädern ist so vieles so unglaublich ritualisiert. Es gibt einen ganz perfekten Ablauf, wann und auf welche Weise man sich ein heißes Tuch auf die Stirn legen muss oder sich reinigt. Das ist für uns wahnsinnig exotisch und spannend. Besonders lustig finde ich die Onsen-Affen, die einfach mitbaden und sich ebenfalls ein Tuch auf den Kopf legen. Die Natur bemächtigt sich eines dieser menschlichen Rituale. Man stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer von uns sitzt hier eigentlich im Aquarium – ich oder der Affe?

Zukunftsvision: Wohin geht der Trend in Sachen Bad-Design?

Die Individualisierung wird sich verstärken. Es gibt eine große Sehnsucht nach Persönlichkeitsausdruck in den eigenen vier Wänden. Somit auch im Badezimmer. Das soll nicht mehr nur die reinweiße, sterile Kachelhölle sein. Viele Menschen möchten sich mit angenehmen, haptischen Materialien umgeben. Man hat viel mehr Mut zur Gestaltung. Die Technik lässt sich immer perfekter integrieren. Das Thema „Wasser sparen“ spielt hierbei eine große Rolle. Der Benutzer weiß oft gar nicht, was für eine ausgefuchste Technik in der Wand verbaut ist. Das Schöne an dem, was das kommt, ist, dass diese Technologien mittlerweile fast komplett integriert verbaut werden können, also unsichtbar, geräuschlos und zuverlässig das Leben des Bewohners wirklich angenehm machen.

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