surfaces. style. quality. die neue oberfläche

Interview Torsten Hochstetter

rebado versteht sich als Bathfashionist. In Sachen Modedesign kennt sich Torsten Hochstetter bestens aus. Er arbeitete als Kreativdirektor für adidas, O’Neill oder Puma. Hier schlägt er die Brücke von der Mode hin zum Badezimmer – ein Gespräch über Life-Style, Inspiration und Nachhaltigkeit.

„Es geht darum, die Welt besser zu machen“

Was bedeutet für Sie Fashion in einem Satz?

Sich über die Kleidung individuell auszudrücken.

rebado bezeichnet sich als Bathfashionist – geht das zusammen für Sie als Modedesigner?

Selbstverständlich. Ich denke, dass sich das Thema Fashion sogar noch viel mehr in den eigenen Räumen manifestiert. Sich selbst ausdrücken zu wollen passiert ja auch in den eigenen vier Wänden. Man schafft sich seine eigene Welt – im räumlichen, dreidimensionalen Sinne. Wichtig ist, dass es von mir selbst ausgeht. Derjenige, der sein Bad verändern möchte, will das in Richtung eigenes Ich tun.

Sie sind gelernter Damenschneider, haben Modedesign an der renommierten Polimoda in Florenz studiert und Sportkleidung für Weltmeister*innen und Olympiasieger*innen kreiert. Sehen Sie als Fashion-Designer Parallelen zum Objekt-Design?

Absolut. Es ist ja fast egal, ob es ein dreidimensionaler Raum auf einer Schneiderpuppe ist, oder ein Bad. Architektur ist für meine Disziplin immer unheimlich inspirierend. Es geht um Raumgestaltung, Funktionalität und Wohlfühlen. Da spielen Licht, Gerüche, Oberfläche, Materialien und Farben eine wichtige Rolle. Das sind auch alles Komponenten, die wir als Sport- oder Fashion-Designer berücksichtigen. Das ist sehr verwandt.

Was wäre für Sie ein guter Life-Style im Bad?

Erst mal wäre die Frage: Welche Rolle spielt das Bad für einen selbst? Das ist so etwas wie ein heiliger Ort. In diesem Raum sollte man bei sich selbst sein. Es geht um Körperpflege, es geht darum, sich in seinem Körper wohlzufühlen. Für mich hat das etwas mit Wärme zu tun und ist mit einem Fernweh hin zum Wasser verknüpft. Ein bisschen möchte ich mich in meinem Bad fühlen wie auf Sardinien. Da sollten die Gerüche stimmen, die Wärme muss da sein, der Kontext zum Wasser ist gegeben.

Es heißt oft genug, man müsse auch mal die eigene Komfort-Zone verlassen. Fällt das beim Design rund um so einen intimen Ort wie dem Bad schwerer?

Jeder hat eine andere Komfort-Zone. Ich persönlich möchte in meinem Bad nicht großartig experimentieren. Aber das sieht jeder anders. Die Vielfalt, die beispielsweise rebado mit den unterschiedlichen Oberflächen-Motiven widerspiegelt, deckt viele Charaktere ab.

Holen Sie sich für Ihre Arbeit Inspiration aus dem Bad?

Bei mir ist es so, dass die Ideen in mir drin entstehen. Natürlich ist maßgeblich, was ich davor gesehen, erlebt oder gefühlt habe. Ich kann aber meine Kraft von innen ganz anders ausschöpfen, wenn ich bei mir selbst sein kann – entsprechend auch im eigenen Wohlfühl-Bad. Für mich entstehen also auch Ideen im Badezimmer, weil ich da umso mehr bei mir bin.

Ist der Fokus auf nachhaltige Materialien heutzutage ein Muss?

Absolut. Der Begriff Nachhaltigkeit ist ja auch sehr dehnbar. Geht es nur um die Materialien, oder ist es eine Unternehmensphilosophie? Da muss sich jedes Unternehmen mit Blick auf seine eigene Wertschöpfungskette noch mal sehr genau hinterfragen. Es geht darum, die Welt besser zu machen.

Welcher Trend beeinflusst derzeit noch?

Die Digitalisierung spielt sicher eine große Rolle. Das wird sich im Kontext Bad noch mal verstärken. Zudem nimmt gerade in diesen verrückten Zeiten das Thema Cocooning zu. Das Sichzurückziehen in die heimelige, geschützte Privatsphäre mit viel Plüsch, Gemütlichkeit und Homewear. Das dürfte auch für das Bad ein Trend sein.

Sie verantworteten das Design von adidas, Puma oder eben der Surfmarke O’Neill – ist Fashion in Verbindung mit Wasser anders als ohne?

Es ging bei meiner Arbeit immer darum, Sport etwas stylischer und eleganter darzustellen. Das ist auch beim Wassersport so. Ein Surfanzug sollte nicht nur funktionell sein, sondern auch gut aussehen. Daher erkenne ich hier keinen großen Unterschied.

Hätten Sie Lust, etwas fürs Badezimmer zu designen?

Das wäre sicher eine Herausforderung, letztlich braucht es hier andere Materialien und eine andere Funktionalität als etwa bei einem Fußballtrikot. Die Idee, sich wie rebado von der Natur inspirieren zu lassen, ist aber ein sehr schöner Gedanke. Schließlich will ich mich im Bad natürlich fühlen. Es gibt kaum eine bessere Inspiration.

Wo wäre Ihr Lieblingsplatz in der Natur?

Sicherlich in der Nähe vom Meer. Allerdings sollte das Wasser bitte warm sein!

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